summ summ - Bienchen - summ herum

Honigbiene auf einer Aprikosenblüte
Bienenbesuch auf einer Aprikosenblüte

Liebe Blog-Leser/innen,

kurz vor Weihnachten 2015 und zu Beginn des neuen Jahres 2016 habe ich in dem grünen Lexikon Hortipendium zwei Seiten zu dem Thema Bienen verfasst und ein Thema in Angriff genommen, das derzeit in der Gesellschaft heiß diskutiert wird. Ausschlaggebend für die Seiten "Bienen" und "Bienenweiden" waren für mich die wiederkehrenden Beschuldigungen, dass der auf agrarwirtschaftlich genutzen Flächen und im Unter-Glas-Anbau praktizierte Pflanzenschutz für das Bienensterben verantwortlich ist, weil der "gemeine" Erwerbs-Gärtner und der "gemeine" Landwirte ohne Rücksicht auf Verluste die Blütenpflanzen mit bienengefährlichen Substanzen "verseucht".

Bei der Literatur-Recherche zu den Seiten wäre mir an mancher Stelle fast die Hutschnur geplatzt. Auch wenn es manche Menschen in unsere Gesellschaft nicht glauben wollen, gehören Bienen und Gartenbau schon immer zusammen und sie gehen seit Jahrhunderten eine Symbiose ein (trotz Pflanzenschutz). "GÄRTNER WOLLEN KEINE BIENEN TÖTEN UND GÄRTNER SIND AUCH NICHT ALLEINE FÜR DAS HONIGBIENEN-STERBEN VERANTWORTLICH!" Sorry - das musste ich jetzt mal rausschreien. Nun zurück zur sachlichen Betrachtung.

Fehlende Artenvielfalt

Unsere Landschaften verarmen hinsichtlich der Artenvielfalt. Das ist Fakt und leider Realität. Rückzugsorte für Wild-Tiere fallen baulichen oder agrarwirtschaftlichen Maßnahmen zum Opfer. Randstreifen an Böschungen oder Ackerflächen werden möglichst schmal und kurz gehalten, damit sich Samenunkräuter auf den Kulturflächen nicht unkontrolliert vermehren. Ackerflächen werden mit Herbiziden behandelt, so dass der Bestand an Wildblumen auf den Feldern immer weiter zurück geht. Das sollte aus ökologischer Sicht nicht so sein. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es aber eine notwendige Maßnahme, um die Kulturkosten möglichst niedrig zu halten und um dem Preisdruck des Einzelhandels Stand halten zu können. Denn auch das gehört zur Realität: Möglichst billig sollen unsere Lebensmittel sein - makellos - aber bitte ökogisch und nachhaltig produziert. Vielleicht haben sie es auch schon erlebt, dass ihre Mitmenschen jedes noch so kleine Pflänzchen aus den Gehwegplatten kratzen (oder verbotener Weise spritzen!), eine immergrüne Hecke einer blühenden (laubabwerfenden) Hecke vorziehen, in Panik geraten, weil sich ein Insekt (Beispiel Hummel) mit lautem Gesumme nährt, Bienen nicht von Wespen oder Schwebfliegen unterscheiden können und Honig von Langnese kaufen, anstatt zum Imker-Honig aus Deutschland zu greifen. Ich frage mich: "Was geht hier vor?" Hat eine Gesellschaft, die sich so stark von der Natur, von der Kulturlandschaft und von der Produktion von Nahrungsmitteln entfernt hat, das Recht, uns Gärtner und Landwirte unter den Generalverdacht zu stellen, dass wir die Hauptverursacher des Bienensterbens sind?

Gesellschaftliche Diskussion

Das Bienensterben wird in der gesellschaftlichen Diskussion in der Regel mit dem Sterben der Honigbienen gleich gesetzt. Wussten Sie denn, dass die Honigbiene ein Nutztier ist, das ohne die Fürsorge der Imker in Europa gar nicht überleben könnte? Die nächste Frage ergibt sich daher von selbst: "Warum stirbt die Biene denn, wenn sich doch die Imker um die Völker kümmern?" Für einige Mitmenschen gibt es dafür nur eine Erklärung: "Da kann doch nur der Pflanzenschutz dran Schuld sein!" Ja oder nein - was meinen Sie?

Die Honigbiene hat neben den insbesondere im Spätsommer und Herbst fehlenden Trachtpflanzen vor allen Dingen ein Problem mit der Varrora-Milbe, die ganze Bienenvölker befällt. Die geschwächten Tiere sterben an der von der Milbe übertragenen Krankheit Varroose. Diese Milbe hat sich so stark ausgebreitet, dass es nur noch einen Kontinent gibt, wo sie nicht auftritt. Und das ist Australien. Daher gibt es auch nur noch in Australien wild lebende Honigbienenvölker - und Pflanzenschutz. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich breche keine Lanze für die "chemische Keule", aber es geht darum, das Bienensterben von allen Seiten zu betrachten und nicht nur aus der Brille der NGO's wie Greenpeace etc. die uns Gärtner und Landwirte regelrecht verteufeln. Auch die Imkerschaft hat ihren Anteil am Bienensterben, sei es durch mangelnde Hygiene im Stock oder durch fehlendes Zufüttern bei mangelndem Nahrungsangebot. Seltsamerweise wird das in der Öffentlichkeit überhaupt nicht diskutiert. Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie gerne beim Imkerverband nachfragen, in wie vielen Fällen ein ganzer Stock auf Grund von fehlerhaften Pflanzenschutzmaßnahmen zu Grunde gegangen ist und wieviele im Gegensatz dazu auf Grund von Parasitierungen und Krankheiten zusammen gebrochen sind. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, nicht nur Gut und Böse.

Es stimmt, dass insbesondere unsere Wild-Bienenarten auf Grund der gesellschaftlichen Eingriffe in die Natur zum Teil vom Aussterben bedroht sind. Daran ist aber nicht nur der Erwerbsgartenbau oder die Landwirtschaft durch den eingesetzen Pflanzenschutz schuld. Wir alle tragen diese Schuld, denn wir genießen die Vorteile unseres Wohlstandes der zu einer Versieglung der Flächen und zur Verarmung des Artenreichtums führt. Wir profitieren von den Pflanzenschutzmaßnahmen auf unseren Feldern in Obst, Gemüse und Raps, weil wir uns durch die Maßnahme die Lebensmittel zu einem günstigen Preis kaufen können. Glaubt denn irgendjemand, dass wir, die auf die Bestäubungsleistung der Bienen für die Produktion der Lebensmittel angewiesen sind, diese mit Absicht und ohne mit der Wimper zu zucken, vergiften?

Ich würde gerne mal ein Meinungsforschungsinstitut beauftragen, das nachfragt, was der Einzelne zum Schutz der Bienen unternimmt. Werden im Garten die schönen gefüllten Edel-Rosen für Wild-Rosen-Arten geopfert, die Wild- und Honigbienen wertvollen Pollen und Nektar liefern? Werden anstelle von Bambus und Gräsern blühende Kräuter und nektarspendende Sommerblumen gepflanzt? Werden "Unkraut-Ecken" mit Wild-Blumen im Garten geduldet? Steinhaufen? Totholz-Ecken? Was ist mit Löwenzahn und Gänseblümchen, Distel und Giersch? Darf der englische Rasen erblühen? Wie sieht es aus beim Schädlingsbefall? Insektizide gegen Blattläuse auf blühende Stauden, auf das in Blüte stehende Gemüse, auf den blühenden Kirschbaum sind in anwendungsfertigen Packungen schnell ausgebracht? Überdosiert können auch bienenungefährliche Mittel toxisch (giftig) sein.

Die Verantwortung

Wir alle haben die Verantwortung für einen umweltgerechten und nachhaltigen Umgang mit der Natur. Das sind Sie, das bin ich. Meiner Meinung nach ist es einfach nur bedauerlich, dass die Diskussion zum Bienensterben mal wieder auf dem Rücken der Gärtner und Landwirte  ausgetragen wird. Wo wird die Verantwortung der Imker diskutiert? Wo wird die Verantwortung der Gesellschaft diskutiert? Wieso werden Bienevölker aus der ganzen Welt nach Deutschland importiert und damit Krankheiten eingeschleppt?

Unkrautkultur und blühende Gärten

Schon als Teenagerin hatte ich einen Aufkleber am Schrank: "Lasst es wachsen - die Unkrautkultur". Das ist für mich immer noch richtig und wichtig. Setzen auch Sie sich dafür ein, dass die Politik nicht nur den großflächigen Anbau subventioniert. Setzen Sie sich dafür ein, dass Gärtner und Landwirte eine politische und ggf. auch finanzielle Unterstützung bekommen, wenn sie blühende Ackerrandstreifen säen und pflegen, wenn anstelle von Mais auch Wildpflanzen als Energiequellen für Biogas-Anlagen angepflanzt werden. Wir alle tragen Verantwortung, um unsere heimischen Bienen und Honigbienen ein ausreichendes Nahrungs- und Habitatangebot zu liefern.  Pflanzen Sie in Ihre Gärten nektar- und pollenspendende Pflanzen und versuchen Sie über die gesamte Vegetationsperiode Trachtpflanzen anzubieten. Reißen Sie nicht jede Wildstaude raus - genau sie könnte die Nahrungsgrundlage für eine bestimmte Bienenart sein.

Verteufeln Sie nicht nur die Gärtner und Landwirte. Wir sind nicht allein schuld.

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